100 Jahre DHB – 100 Jahre „Beruf Hauswirtschaft“

Im März 1915 wurde in Berlin der „Deutsche Hausfrauenbund“ gegründet, wobei Hedwig Heyl die treibende Kraft war – sie fand Mitstreiterinnen, politische Unterstützung, organisierte die Öffentlichkeitsarbeit und die rechtliche Vorarbeit. Damit wurde die Hauswirtschaft als Beruf erstmals öffentlich und rechtlich anerkannt, die vorwiegende Domäne der Frauen als relevanter Wertschöpfungsfaktor für das Gemeinwohl fand damit – endlich! – Beachtung. Als Ausgangpunkte der DHB-Gründung kann man die Hausfrauenvereine betrachten, die es an vielen Orten in Deutschland gab.
Bereits 1860 in Nürnberg und in fränkischen Städten, 1872 sind in München solche Vereine nachweisbar. Vermutlich gehen diese Zusammenschlüsse von Frauen auf den bürgerschaftlichen Aufbruch in der deutschen Gesellschaft („Paulskirchenversammlung“ 1848) zurück, wie auch die heute noch aktiven Berufsverbände und Zusammenschlüsse der Männer. Bisher wurde diese Vorgeschichte der Bedeutung der Hauswirtschaft im Rahmen der Frauenbewegung wissenschaftlich noch völlig unbeachtet gelassen. Gesichert ist das Erscheinen der ersten Zeitschrift für Hausfrauen – der „Nürnberger Hausfrau“ im Jahr 1911. In Berlin war zu dieser Zeit Hedwig Heyl engagiert für die Hausfrauen tätig, besonders mit dem Ziel einer fundierten Berufsbildung. Bereits 1884 gründete sie die erste Koch- und Haushaltungsschule für Frauen, 1890 die erste Gartenbauschule für Frauen in Berlin Marienfelde. Sie organisierte 1904 außerdem den Internationalen Frauenkongress in Berlin. Der Höhepunkt in Heyls Leben war 1912 die Organisation der Ausstellung Die Frau in Haus und Beruf , bei dem alle Bereiche der weiblichen Berufsarbeit präsentiert wurden. 1915 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Hausfrauen-Bundes, dessen Gründung auf dieser Ausstellung beschlossen wurde. 1920 wurde sie mit dem Doktorswirtschaftliche Einkaufsberatung und Auskunftsdienst“ als Vorläufer der Verbraucherzentralen eröffnet. Der DHB breitete sich rasch in Deutschland aus und führte die Mehrzahl der Hausfrauenvereine zusammen. Nach der Machtergreifung durch Hitler (1933) kamen die damaligen Repräsentantinnen des DHB der Vereinnahmung durch die Nazis, die ihrem gesellschaftlichen Verständnis und Frauenbild zuwider lief, durch die Selbstauflösung des DHB zuvor. Damit hatte der DHB keine Belastung durch Anbiederung an die Nazi Ideologie zu bewältigen, er konnte nach Kriegsende seine Arbeit wieder aufnehmen. Die Neugründung in der Nachkriegszeit und die Grundprinzipien des neu formierten DHB sind sehr gut aufbereitet in der Dissertation von Siglinde Porsch: »Ziele und Aufgaben des Berufsverbandes Deutscher Hausfrauen-Bund und das Wirken für Mitglieder und in der Gesellschaft«. ISBN 978–3–8359–5877–7 Elvira Werner, MdH, Dipl. Psych.